Aktionstag der Werner-von-Siemens-Schule

Mit Comedy zur Berufsorientierung

Osman Citir ist ein Mann klarer Worte: „Niemals aufgeben, sich Ziele setzen und auf jeden Fall die Ausbildung abschließen“ – das sind die drei ultimativen Ratschläge, die er den 130 Acht- bis Zehntklässlern der Werner-von-Siemens-Schule mit auf den Weg gibt.

Image 2Ziemlich still ist es in der Sporthalle der Schule, in der der deutsch-türkische Comedian die Schüler 90 Minuten lang erst zum Lachen, dann zum Nachdenken und zwischendrin ganz offensichtlich auch mal schwer zum Schlucken bringt. Seine Botschaft: Rückschläge gibt es immer, zuweilen auch sehr heftige. Aber mit einem trotzigen „Jetzt erst recht!“ und der richtigen Herangehensweise kann man sehr viel erreichen. Auch das, was man sich selbst erst einmal gar nicht zugetraut hätte.
Osman Citir motiviert
Gehört haben die Werkrealschüler das wahrscheinlich schon einmal – Osman Citir nehmen sie es aber offensichtlich auch ab. „Weil er ihre Sprache spricht und von Erfahrungen berichtet, die sie selbst auch schon gemacht haben“, vermutet Annemarie Herzog. Sie ist bei der Industrie- und Handelskammer für das Projekt „Wirtschaft macht Schule“ verantwortlich. Das brachte Osman Citir mit seinem Programm „Comedy macht Schule“ in 34 Schulen im IHK-Gebiet – und mit ihm viel Motivation. Diese nahmen die Acht-, Neunt- und Zehntklässler der Werner-von-Siemens-Schule zumindest mit in ihren „Tag der Berufsorientierung“: Verschiedene Unternehmen stellten in einem Parcours ihre Ausbildungen und Praktika vor, junge Ausbildungsbotschafter informierten über ihren eigenen Werdegang, und Peter Minrath von der IHK gab in lockerer Gesprächsrunde Tipps fürs richtige Auftreten bei einem Vorstellungsgespräch.
Riesenaufwand, der sich lohnt
Inzwischen auch im Bildungsplan verankert, ist Unterstützung bei der Berufsfindung in der Werner-von-Siemens-Schule schon seit langem ein Schwerpunkt, stellt Rektorin Sylvia Schäfer klar. So aufwendig und konzentriert wie beim erstmaligen „Tag der Berufsorientierung“ sei es aber auch an ihrer Schule neu. „Wenn man sieht, was der Tag bringt, lohnt sich der Aufwand allemal“, findet Organisator Olaf Scholtyssek-Rippl. Nicht nur seine guten Kontakte zur IHK, sondern auch mindestens 20 Arbeitsstunden hat er in den Aktionstag investiert – inklusive das frühzeitige Engagement für den Auftritt Osman Citirs, den er vor zwei Jahren im Filmpalast am ZKM erstmals erlebte. Die Unternehmen von Maler Weis über Lidl bis Siemens, die sich einbrachten, investierten freilich auch einiges – und zogen ebenfalls eine positive Bilanz.
Azubis gesucht
„Wir brauchen Auszubildende und haben allein 300 FSJ-Stellen“, schildert etwa Jasmin Kraetz von der Arbeiterwohlfahrt, bei der sich die Schüler nicht nur in der Theorie, sondern auch mit allerhand Anschauungsmaterial über die Arbeit in den Kitas, mit Behinderten und alten Menschen informieren können. „Gold wert“ ist der Tag, findet auch Marcello Marongiu, der für die Ausbildung der Notfallsanitäter zuständig ist.
Image 1Auch seine Präsentationen stößt auf großes Interesse einiger Schüler. Für den 14-jährige Mertcan etwa ist sie das Highlight im Angebot, während für den 15-jährige Kane zumindest klar wird, dass er einen Beruf in sozialen Bereich anstrebt. Für die 14-jährige Serina wird es bei Yvonne Zenner-Winkler vom Hotel Kübler konkreter: Dass sie dort ein Praktikum macht wird, können sich nach einem interessierten Gespräch beide Seiten sehr gut vorstellen. (...)
„Viele unserer Schüler machen eine Ausbildung“, sagt Rektorin Schäfer. Und viele kommen, trotz manchem schulischen Hänger, auf einen guten Weg, weiß sie auch von Ehemaligen, die immer mal wieder an ihrer alten Schule vorbeikommen. Die Rektorin kennt auch den familiären Hintergrund der meisten Schüler. Mancher bringe „ein gewaltiges Paket“ mit und sei dringend darauf angewiesen, in der Schule vielfältige Unterstützung zu bekommen. „Sie brauchen die Werkrealschule mit ihren speziellen Profil“, ist sie überzeugt. Umso ärgerlicher sei es, wenn dann beispielsweise die beiden halben Stellen der Freizeitpädagogen, die man benötige, gestrichen werden. Auch angesichts des riesigen Engagements ihres Kollegiums – nicht nur zum Tag der Berufsorientierung. „Der war spannend und hat mich bestärkt, meine Ziele zu verfolgen“, sagt Neuntklässler Kane. „Und Osman war Bombe“, so das Fazit seines Klassenkameraden Mertcan. (...)
Foto: Jock
Foto: jodo
(Auszug aus: BNN Mittwoch, 11.04.2018: Mit Comedy zur Berufsorientierung)